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Die Kornrade

Diese schöne, gegen Juni - Juli rosablühende Pflanze war in früherer Zeit - insbesondere im Mittelalter - eines der häufigsten Getreideunkräuter. Heute ist sie nur noch selten zu finden und in der "Roten Liste BRD" als eine vom Aussterben bedrohte Art eingestuft.

Die zu den Nelkengewächsen (Caryophyllaceae) zählende Kornrade stammt aus dem Mittelmeerraum. Mit der Einführung und Ausbreitung des Getreideanbaus, besonders des Winterroggens, wurde sie in ganz Europa verbreitet. Das ehemals massenhafte Vorkommen in Getreidefeldern beruhte darauf, dass die Samen regelmäßig mit dem Getreide geerntet und wieder ausgesät wurden. Die Samen liefen dann zusammen mit dem ausgebrachten Saatgut auf. Auch die Samenreife der Kornrade fällt mit der des Getreides zusammen. Die großen, relativ schweren Samen werden weder durch Wind noch durch Tiere verbreitet. Sie reifen in einer sehr festen, nach oben verengten Kapsel heran. Dadurch fallen nur wenige Samen von selber heraus, der größte Teil wird mit dem Getreide geerntet. Zur Keimung benötigt die Kornrade niedrige Temperaturen. Aus diesem Grund war sie besonders häufig im Wintergetreide verbreitet, denn durch die Aussaat im Herbst fand sie günstige Keimbedingungen vor.

Diese Abhängigkeit von den Anbaumethoden des Menschen führte allerdings auch zu dem starken Rückgang dieser Art. Da sie sich selber nur wenig aussät (s.o), die Samen im Boden nur eine kurze Keimfähigkeit besitzen und zudem ziemlich konkurrenzschwach sind, ist sie im starken Maße von diesen Anbaumethoden abhängig. Die Veränderung der Anbaumethoden und insbesondere die verbesserte Saatreinigung führte zur fast vollständigen Ausrottung der Art. Die Giftigkeit der Samen führte ebenfalls zur verstärkten Auslese aus dem Getreide.

Ein wirkungsvoller Artenschutz ist schwierig, da er nur durch ständig neue Aussaat erfolgreich angewendet werden kann. Der Samen der Kornrade benötigt zur Keimung offenen Boden. Die beste Zeit der Ausbringung der Samen ist der Spätsommer. Doch kann sie auch, wenn noch kein Bodenfrost ist, im Spätherbst ausgebracht werden. Durch ihre attraktive Blüte ist die Kornrade nicht nur eine allgemeine Bereicherung im Blumengarten. Sie lockt auch viele Blütenbesucher an und ihre langlebigen Samenkapseln werden von vielen Insekten (insbesondere Marienkäfern) als Überwinterungsmöglichkeit genutzt.

                                           © Edith Büscher, BUND Kreisgruppe Braunschweig